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Hallo an alle streckenflugbegeisterten Gleitschirmflieger!
Im Jänner diesen Jahres verfasste ich einen kleinen Bericht über die mentale Vorbereitungsphase hinsichtlich der bevorstehenden Streckenflugsaison. Im Zuge dessen kündigte ich mit viel Optimismus an, Streckenflugberichte über außergewöhnliche Flüge zu verfassen und auf diese Seite zu stellen. Jetzt haben wir zwar erst den 6. April – aber nun ist es schon soweit...
5. April 2008 – flacher Dreiecksflug über 205,70 km
(fürs Fotografieren wars leider zu kalt)
Es ist schier unglaublich, aber es ist vollbracht. Ein Meilenstein in meiner fliegerischen Karriere ist geschafft. Dabei sah es am Vorabend nicht unbedingt danach aus. Es kündigte sich zwar ein Zwischenhoch an, jedoch schien es so, dass ab dem früheren Nachmittag bereits wieder mal eine Störung ostwärts ziehen und die Sonne verdecken sollte. So war für mich eher Slowenien ein Thema. Ein Anruf von Wolfgang Bernhard überzeugte mich jedoch davon, dass es besser sein würde, die Emberger Alm anzusteuern. Einschlafen war an diesem Abend etwas schwierig, irgendwie kribbelte es……
Wolfgang, Michi Pohl und ich trafen uns um 09 Uhr wie vereinbart am Landeplatz in Greifenburg. Und siehe da – die österr Streckenflugelite gab sich ein Stelldichein. Viele namhafte Piloten waren plötzlich vor Ort. Mit dem Taxi gings zum Startplatz. Während der Auffahrt, es war so 09.30 Uhr zeigten sich schon die ersten Wattebäuschchen am strahlend blauen Himmel. Man konnte sofort erkennen, dass es relativ wenig Höhenwind gab, was meine Lust aufs Fliegen sofort erhöhte.
Die übliche Startvorbereitung erfolgte, die Stimmung unter den Piloten war gut aber auch etwas angespannt. Es schien nun doch der erste wirklich gute Streckenflugtag dieser Saison zu werden…
 Ich nahm noch einen Schluck Wasser (dass dies der letzte Schluck in den nächsten 7 Stunden war, konnte ich zu diesem Zeitpunkt noch nicht wissen) und startete mit meinem alubeschichteten POISON2 um 10.35 Uhr als vierter Pilot unmittelbar hinter Gerald Ameseder, Stefan Wirgler und Michi Pohl. Meine Taktik war es, nicht gleich den Anschluß zu verlieren und mich von ihnen etwas ziehen zu lassen.
Andererseits wollte ich auch nicht vorpreschen, sondern eher abwartend fliegen. Der erste Bart war östlich des Startplatzes gleich gefunden und es ging für diese frühe Zeit ziemlich knackig weg. Inzwischen waren auch die anderen Toppiloten gestartet und so ging es im Pulk Richtung Westen. Die Bärte standen verlässlich und wir konnten so wirklich schnell fliegen. Es war unheimlich kalt, so an die – 15 Grad Lufttemperatur in 3000 Meter Höhe. Kurz vorm Anna-Schutzhaus musste ich gemeinsam mit Wolfgang unter Grathöhe einen verlässlichen Bart suchen. Da noch kein Talwind herrschte, war dies kein Problem und wir konnten in kurzer Zeit wieder eine gute Arbeitshöhe erreichen.
So ging es bis zum Zettersfeld. Auch dort war es ein einfaches, mit einem sportlichen Bart bis an die Basis vorzustoßen. Hier taktierte ich ein wenig, indem ich abwartete und kurzzeitig beobachtete, wie die vor mir fliegenden Piloten die Talquerung zum Hochstein absolvierten. Irgendwie schien es, dass die direkte und längere Linie nicht so perfekt war, da alle ziemlich an Höhe verloren und beim Hochstein relativ tief ankamen. So beschloß ich, noch etwas gen Westen zu fliegen und so die kürzere Linie zu nehmen. Das stellte sich dann auch als richtig heraus und ich gewann etwas an Zeit. Während der Querung hatte ich aufgrund der herrschenden Kälte schon einen ziemlich trockenen Mund und freute mich auf einen Schluck Wasser. Doch daraus wurde nichts, da inzwischen alles gefroren war. So aß ich zur Stärkung einen tiefgefrorenen Müsliriegel , wobei ich mich fast verschluckte.
Irgendwann kam ich über Gratniveau am Hochstein an und konnte so sofort mit einem starken Bart wieder bis zur Basis (3100 m) aufdrehen. Inzwischen gab es weithin sichtbar eine Wolkenstraße wie im Bilderbuch. Ich änderte meine Flugtaktik und kurbelte so wenig wie möglich um relativ schnell voranzukommen. Auch schien es mir jetzt bedenklich, zu nahe an die Basis heranzufliegen, da eindeutige Sauggefahr bestand.
Nach knapp 2 ½ Stunden Flugzeit passierte ich die ital. Grenze in Sillian und befand mich sodann im Pustertal. Es wurde nun ziemlich sportlich und ich blieb unter der Wolkenstraße, welche sich über der Ridge in der Mitte des Tales befand. Von einer Schlechtwetterfront, wie angekündigt, war eigentlich nichts zu sehen. Man konnte jedoch erkennen, dass die Luftfeuchtigkeit in den Dolos ziemlich hoch war und es dort vermutlich Schneeschauer gab.
Auf Höhe Toblach sah ich Ameseder Gerald einen WP setzen und wieder zurückfliegen. Auch mein Freund und Klubkollege Michi begab sich auf den Rückweg. Ich entschloß mich dennoch, noch etwas weiter Richtung Bruneck zu fliegen, im Blickfeld immer noch Stefan WIRGLER mit seinem Boomerang5.
Um 13.22 Uhr setzte auch ich den WP und kehrte um. Als ich wiederum Sillian passierte, konnte ich in der klaren kalten Luft unter einen gigantischen Wolkenstraße, welche dem Lesachtal aufgesetzt war, den Dobratsch erkennen. Daraufhin entschied ich mich, vom Drautal ins Lesachtal zu wechseln und die direkte Linie Richtung Hermagor zu fliegen. Ich wechselte vom Thurnthaler zur Tessenberger Alm und von dort absolvierte ich die Querung nach Süden ins Lesachtal. So wie es schien, war ich so ziemlich der einzige, der den Weg zurück übers Lesachtal wählte. Das stellte natürlich nicht unbedingt einen Vorteil dar. Da ich es aber schon von früheren Flügen her kenne, war ich mir sicher, dass dies der beste und schnellste Weg zurück wäre. Gesagt, getan. Während der Talquerung schattete es im Lesachtal jedoch plötzlich ab. Trotzdem riskierte ich, wenn auch mit Bauchweh, den Weiterflug zum Eingang des Lesachtales. Ich flog auf den bewaldeten Rücken zu und verlor ziemlich an Höhe. Kein Sonnenstrahl drang durch und schön langsam wurde ich nervös. Kein Rascheln des Schirmes, kein Vogel zeigte mir einen Aufwind an. Der Wald kam immer näher und immer noch nichts. Ich sagte zu mir selbst: Wenns jetzt nicht gleich nach oben geht, habe ich nur mehr eine Chance – nochmaliges Wechseln des Drautales auf die in der Sonne liegenden Hänge. Doch dann hätte ich auf der anderen Talseite vielleicht noch 100 bis 200 Meter Luft unter mir gehabt…
Doch plötzlich - mein P2 machte ein mir vertrautes Nicken nach vorne, anschließend ein leichtes Ziehen nach links. Da ich ziemlich tief genau über dem abgeschatteten Waldrücken entlangglitt, entschied ich mich erfahrungsgemäß, noch einige Meter geradeaus und dann nach links dem leichten Zug zu folgen. Und siehe da, ein langsames stetiges Steigen belohnte meinen Mut und nach kurzem genauen Zentrieren beförderte mich ein auf der Nordseite des Hügels entsprungener 3-Meter-Bart wieder zurück zur Bilderbuchwolkenstraße. Für die folgenden 90 Kilometer war dies so ziemlich der letzte konzentriert zu kurbelnde Aufwind.
Bis dato kannte ich das in vielen Lehrbüchern beschriebene „Delphinieren“ nur vom Hören und Lesen. Und genau das konnte ich nun für mich in die Praxis umsetzen. Und das 90 km bis zur Windischen Höhe. Ein absolut unglaublich lässiges Gefühl, jeden Aufwind nur in gebremster Vorwärtsfahrt zu nutzen. Die Distanz zwischen den Bärten legte ich teilweise voll beschleunigt zurück. So pendelte ich zwischen 2500 und 3000 Meter ohne zu kurbeln.
Schön langsam kam in mir ein Hochgefühl auf, welches meinen Durst vergessen ließ. Mein Gesicht brannte und auch meine Finger waren von der Kälte schon etwas mitgenommen. Aber dieses Gefühl betreffend 200er Marke ließ mich das alles vergessen. Immer wieder visierte ich mit meinen Blicken den markanten Dobratsch an. Auf Höhe des Reißkofels kam mir endlich wieder mal ein Leidensgenosse (gelitten haben in der Kälte wohl alle) entgegen. Ich vermutete, dass es Bene (Peter Rainer) mit seinem Niviuk Icepeak war, was sich bei einem abendlichen Telefonat mit ihm auch bestätigte.
Schön langsam machten sich bei mir leichte Kopfschmerzen bemerkbar, welche vermutlich auf den Flüssigkeitsmangel zurückzuführen waren. Jedoch war mir das bei der Querung vom Guggenberg zum Spitzegel relativ wurscht. Vom Spitzegel bis zur Windischen Höhe wurde es noch mal sehr sportlich und irgendwie war ich körperlich doch schon etwas mitgenommen. So setzte ich den 3. Wendepunkt bei der Windischen Höhe und machte mich auf den Weg zurück nach Greifenburg. Ohne Höhenverlust überquerte ich ein zweites Mal in ca 2500 Meter Höhe die Kette der Gailtaler Alpen und schwebte südlich des Weissensees vorbei in Richtung LP, wo ich um 17.25 Uhr meinen Poison2 ausflairte – zunächst mit der Ungewissheit, ob ich die 200er Marke überhaupt geschafft habe.
Während der Fahrt nach Hause rechnete ich immer wieder nach und kam eigentlich zum Schluß, dass sich die 200 km nicht ausgehen können, da ich nur 6 Stunden und 45 Minuten unterwegs war. Da hätte ich einen Schnitt von über 30 km/h fliegen müssen.... das wäre eigentlich Utopie.
Umso mehr war ich erstaunt, dass ich mit meinem Skywalk P2 einen Schnitt von 31 km/h erreichen konnte.
Resümme:
Alles in allem ein wahnsinnig geiler Flug mit fantastischen Eindrücken, welche man wohl nur beim Streckenfliegen erleben kann.
Natürlich darf auch nach einem so tollen und erfolgreichen Flug ein wenig Selbstkritik nicht fehlen. Es wäre eigentlich überhaupt kein Problem gewesen, den 2. WP im Pustertal noch bis 14 Uhr hinauszuzögern. Was heisst, es wäre noch eine Stunde länger gegangen, was wiederum heißt, dass noch etwa 30 km mehr drinnen gewesen wären.
Um hier meinen Spekulationen ein Ende zu setzen – Fortsetzung folgt……………..
P.S.:
All jenen, die mir in welcher Form auch immer zu diesem tollen Flug gratuliert haben, möchte ich jedenfalls ein großes Dankeschön aussprechen. Ich wünsche auch euch und allen anderen Flugbegeisterten tolle und lange Flüge in der Saison 2008.
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einfach toll
Geschrieben von: Ewald (Registriert ) am 07-04-2008 12:10