Ich möchte hier kurz von meinem Unfall auf der Hinterhornalm am 08.05.2008 erzählen, in der Hoffnung, euch anderen Piloten ein solches Erlebnis zu ersparen. Drei Freunde und ich wollten am oben genannten Tag von der Hinterhornalm, oberhalb von Gnadenwald, einen Streckenflug starten. Der Tag kündigte sich als wirklich guter Tag an.
Das übliche Startablauf begann. Ich schlüpfte in mein Gurtzeug. Nur ich zeigte einem meiner Kumpels, wie ich meinen Frontcontainer neu angenäht habe, da es mir diesem ja bei einem Fehlstart am Vortag ausgerissen hatte. Ich zeigte ihm auch noch die kleine Veränderung, welche ich vorgenommen hatte und hängte den Container ein. Wie gewohnt ging es weiter, Tragegurte in die Karabiner, Beschleuniger mit dem Schirm verbunden, Vario und GPS einschalten und starten.
Dann ging es los. Ich merkte sofort, wie es mir das Gurtzeug bis in den Rücken zog. Wie ein Blitz schoß es mir durch den Kopf, die "Beinschlaufen". Ich hatte kaum Zeit zum überlegen, da ich bei einem Geradeausflug auf der Hinterhornalm sofort sehr viel Höhe erreichen würde und die Thermik ja auch schon eingesetzt hatte. Ich konnte mich an den Tragegurten halten, dadurch aber nur noch mit Gewichtsverlagerung steuern. Das einzige was mir bewußt war, zurück ins Gurtzeug komme ich nicht mehr.
Ich überlegte kurz. Sofort gegen den Hang einlanden fand ich keine gute Lösung da ich ja nicht bremsen konnte. Ein Beinbruch oder schlimmeres war garantiert. Ich fasste den Entschluss der Straße auf die Hinterhornalm entlang zu fliegen und dort im Schnee landen. Oder in einem darüber liegenden Jungwald einzulanden. Als ich jedoch nach ca 50 Meter nach dem Start, in ca 10 Höhe nach rechts in Richtung Straße abbog standen mir plötzlich drei Laubbäume im Weg. Ich schaffte es nicht mehr ihnen auszuweichen und prallte in der Folge in einen der Bäume. Ich dachte mir noch nichts dabei, nur wie wird das mein Schirm überleben. Leider war der Baum so knorrig, dass ich beinahe wie gegen eine Wand geflogen bin.
Das Resultat war, dass ich mir am linken Unterschenkel eine schwere Weichteilverletzung zugezogen habe und mein Schirm absolut ganz geblieben ist.
Aber was ich eigentlich sagen möchte mit meiner kleinen Geschichte:
Ich genieße es immer am Startplatz die Diskussionen über Wetter, Flugaufgabe usw. Ich habe mir nach meinem Erlebnis geschworen, mich nicht mehr ablenken zu lassen und auch meine Freunde kurz vor dem Start noch einmal kurz zu checken, ob alles in Ordnung ist. Denn wir haben bei einer netten " Geburtstagsfeier" auch darüber gesprochen, dass auf einem Bild deutlich zu sehen ist, dass ich meine Beinschlaufen offen habe. Aber wer schaut wirklich auf die "Anderen" beim Start. Ist doch jeder selber für sich verantwortlich. Ist schon so. Aber was würde mach sich für Vorwürfe machen, wenn wirklich noch etwas viel schlimmeres passiert???
Beim Klettern gibt es ja auch den Partnercheck. Wieso nicht auch beim Fliegen. Eine kurze Rundumfrage reicht ja.
Ich hoffe eine kleine Anregung gegeben zu haben.
Ich von meiner Seite, hoffe im Juli wieder starten zu können. Möchte mich hier nochmals bei meinen Freunden für die vor Ort geleistete Hilfe bedanken. Und allen anderen noch sehr viele unfallfreie Starts, Flüge und Landungen.
Gruß Stefan
Glück im Unglück
Geschrieben von: Alex (Registriert ) am 27-05-2008 22:37
danke für deinen ehrlichen Bericht. Aus meiner Sicht kannst du froh sein, in den Baum gelandet zu sein. Es hätte sicher noch viel schlimmer kommen können. Ich habe Videos von Piloten gesehen, die leider auch ohne geschlossene Beingurte gestartet sind. Manche haben es überlebt, manche leider nicht. Sei froh und dankbar, dass dir im Grunde nicht mehr passiert ist!
Vielleicht als kleiner Tipp: Ich schließe als erstes immer die Beingurte und mein letzter Checkgriff (nachdem ich alles andere erledigt habe) ist noch mal der Beingurt. Das habe ich mir von Anfang an so eingetrichtert und daran halte ich mich auch noch heute.
Ich wünsche dir viele schöne und gesunde Flüge und hoffe, dass wir alle aus deinem Bericht lernen und gewarnt sind.
LG Alex